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Der Viehscheid im Allgäu & Kleinwalsertal

Jedes Jahr im September, wenn der Sommer langsam aber unaufhaltsam seinem Ende entgegen geht, freuen sich Gäste, Einheimische, Beteiligte und Schaulustige, Hirten und Bauern auf eine Veranstaltung mit besonderer Bedeutung und langer Tradition.

Wenn die Viehherden aus ihrer Sommerfrische zurück ins Tal ziehen, ist Viehscheidzeit im Allgäu und dem nahen Kleinwalsertal! Tausende von Besuchern wollen dabei sein und sorgen regelmäßig dafür, dass die Ortschaften aus allen Nähten platzen. Der gesamte, jeweilige Ort ist dann ein einziges großes Fest.

Die Viehscheidtermine 2015 im Allgü / Oberallgäu:

  • 11.09.2015 Bad Hindelang
  • 11.09.2015 Oberstaufen, Schöllang, Balderschwang
  • 12.09.2015 Oberstdorf
  • 15.09.2015 Kranzegg
  • 17.09.2015 Gunzesried
  • 18.09.2015 Wertach
  • 18.09.2015 Oberstaufen - Thalkirchdorf, Bolsterlang
  • 19.09.2015 Obermaiselstein, Missen, Immenstadt
  • Termin folgt: Riezlern / Kleinwalsertal

Bedeutung: In der Regel Anfang / Mitte Juni, sobald es genügend Futter auf den Bergwiesen gibt, beginnt für das Jung- und teilweise auch Milchvieh der Alpsommer. Die höher gelegenen "Galtalpen" sind dem Jungvieh vorbehalten, während auf den "Sennalpen" Milchkühe für die Milch sorgen, die an Ort und Stelle zu Bergbutter und natürlich zum berühmten Allgäuer (Berg-) Käse verarbeitet wird.

Die frische Luft und das kraftvolle Futter sind gesund und machen die Tiere besonders widerstandsfähig. Bis hoch hinauf, teilweise sogar bis in die Gipfelregionen, werden die Bergwanderer vom harmonischen, für das Allgäu so typischen Klang der Glocken und Schellen begleitet.

Ab Anfang September, nach ca. 100 Tagen, naht der wichtigste Tag im landwirtschaftlichen Kalender. Die Tiere werden von den Älplern "rausgeputzt" und bekommen die großen Schellen (Allgäuer: Zugschellen / Walser: Chlepfa) angelegt.

Hat sich während des Alpsommers kein Unfall ereignet, z.B. durch Absturz, Blitz- oder Steinschlag, wird das Leittier - im Allgäu Kranzrind und im Kleinwalsertal Maiarind genannt - mit einem prächtigen Kranz geschmückt. Dieser Kranz ist mit viel Liebe und Phantasie gebunden und besteht aus Zweigen, Gräsern, Blumen und Bändern. Mit dem oft eingebundenen Kreuz wird zudem um den Schutz des Himmels gebeten und der Spiegel dient zur Abwehr böser Geister.

Am Scheidtag, noch im Morgengrauen, brechen die Herden und ihre Begleiter zu ihrem anstrengenden und durchaus nicht risikolosen Marsch auf. Derweil werden sie unten im Tal schon sehnlich erwartet. Unterstützt vom Echo der engen Seitentäler, kündigt sich die spektakuläre Ankunft schon von weitem an.

Endlich am Scheidplatz angekommen, "scheidet" (trennt) der Hirte das Vieh aus und übergibt es dann wieder in die Obhut ihrer Besitzer. Die Hirten sind stolz auf ihre Arbeit und die Bauern sind dankbar, dass ihr "Betriebsvermögen" wieder heil und gesund im heimischen Stall untergebracht ist. Mehrere Gründe also, um einen langen, anstrengenden Tag entsprechend ausklingen zu lassen und wer dabei sein möchte, ist herzlich eingeladen.

Zur ein oder anderen Maß Bier gehören Scheidwürste, gebratene Hähnchen, frische Brezen und natürlich die Kappelle, die mit zünftiger Musik für die richtige Stimmung sorgt und zum Tanz aufspielt.

Gleichzeitig liegt natürlich immer eine gehörige Portion Melancholie über dem Fest. Mit Ende des Alpsommers kündigt sich der Herbst an und dann sind es meist nur noch wenige Wochen, bis der Winter wieder Einzug hält.

Was den Reiz aber wirklich ausmacht, lässt sich mit Worten nicht beschreiben. Den "Scheid" muss man einfach erleben!